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Fördermöglichkeiten in Cluster 4 - Digital, Industry and Space

Die Vorbereitungen zu den ersten Ausschreibungen in Horizont Europa sind aktuell noch nicht abgeschlossen. Die EU-Kommission bereitet zur Zeit in Abstimmung mit den EU-Mitgliedsstaaten und assoziierten Staaten das erste zweijährige Arbeitsprogramm vor. Die Veröffentlichung der ersten Ausschreibungen dazu soll im Frühjahr 2021 erfolgen.
Das Arbeitsprogramm wird dabei in "Destinations" gegliedert sein, die eine Orientierung darüber geben, welche Ziele die Kommission mit bestimmten Gruppen von Forschungs- und Innovationsthemen (sogenannte "Topics") erreichen will.

Für Cluster 4 sind die folgenden Destinations vorgesehen:

Diese Destination zielt auf einen doppelten Wandel (grün und digtal) der Fertigungs-, Bau- und Prozessindustrie der Europäischen Union.

Herausforderungen im Bereich verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe

Die Steigerung der Produktivität, Innovationskapazität, Widerstandsfähigkeit und globaler Wettbewerbsfähigkeit sind übergeordnete Ziele in diesem Themenfeld. Die Maßnahmen sollen zu flexiblen, reaktionsfähigen und widerstandsfähigen Fabriken und Wertschöpfungsketten führen, die durch Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Datenaustausch, fortschrittliche Robotik und modulare Fertigung ermöglich werden. Gleichzeitig sollen die Projekte zu den Ausschreibungsthemen dazu beitragen, die CO2-Emissionen und den Abfall in diesen Sektoren zu reduzieren und die Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Wiederverwertung von Produkten/Komponenten zu verbessern.

Herausforderungen in der Prozessindustrie

Die Prozessindustrie steht vor zwei zentralen Herausforderungen: einem starken globalen Druck (z.B. China, USA) und einer ökologischen Herausforderung. Die verarbeitende Industrie ist von Natur aus ressourcenintensiv und verbraucht große Mengen an Rohstoffen. Beim Betrieb werden große Mengen an Abfall, Treibhausgasen und Schadstoffen erzeugt.
Die Maßnahmen in diesem Themenfeld sollen dazu beitragen, den Ausstoß von Treibhausgasen und Schadstoffen sowie die Ressourcennutzung und die gesamten Umweltauswirkungen zu verringern. Spätestens bis 2050 soll die europäische Prozessindustrie klimaneutral sein, d.h. nahezu keine Abfälle, keine Verschmutzung und keine Deponierung mehr verursachen.

Der erwartete Impact von Destination 2 ist die industrielle Führungsrolle und erhöhte Autonomie in den wichtigen strategischen Lieferketten. Die COVID-19-Krise hat gezeigt, dass Europa seine eigene Widerstandsfähigkeit insbesondere in der Hinsicht auf Lieferengpässe innerhalb wichtiger Wertschöpfungsketten steigern muss. Außerdem ist es der Anspruch der europäischen Union, die eigene Wirtschaft bis zum Jahre 2050 klimaneutral, zirkular und zeitgleich wettbewerbsfähig zu halten. Beide Aspekte treiben deshalb Europas grüne und digitale Transformation voran. Um dies umzusetzen, wird ein systematischer Ansatz benötigt.

Ein zentrales Element hierfür ist die Versorgungssicherheit von Rohstoffen, welche durch neue, bahnbrechende Technologien, dynamische Innovations-Ökosysteme und effektive Wiederverwendung und Recycling von Materialien erreicht werden soll. Zudem werden fortschrittliche Lösungen für Substitution, Ressourcen- und Energieeffizienz, sowie eine saubere Primärproduktion von (kritischen) Rohstoffen angestrebt.

Die Maßnahmen in diesem Themenfeld tragen genau dazu bei: Der breit gefächerte Fokus erstreckt sich von Materialien über Produkten bis hin zu ganzen Sektoren, innerhalb derer durch neue (zum Teil digitale) Strukturen eine verstärkte Nutzung von Sekundärrohstoffen und damit verbunden eine Reduzierung von Müll und Kohlenstoffemissionen, insbesondere in den energieintensiven Industrien, erreicht werden soll. Ebenfalls stehen neue und vor allem nachhaltige Werkstoffe in dieser Destination im Vordergrund, denn sie spielen nicht nur für die europäische Klimaneutralität und Kreislaufwirtschaft, sondern auch für die Unabhängigkeit Europas von Drittstaaten, aus denen kritische Rohstoffe kommen, eine wichtige Rolle. Ein weiterer Fokus liegt auf der Widerstandsfähigkeit von Unternehmen, insbesondere KMUs und Startups. Als Teil des industriellen Innovations-Ökosystems tragen sie insbesondere zu einer grünen und digitalen Transformation der europäischen Wirtschaft bei.

Mit Maßnahmen im Rahmen der „DESTINATION 3 World leading data and computing“ soll Europas globale Position und Autonomie im Sektor Datenwirtschaft ausgebaut und das soziale, wirtschaftliche und effektivere Nutzen von Daten maximiert werden. Um diese Ziele zu erreichen sind Investitionen vorgesehen u.a. in folgenden Bereichen:

  • Computer- und Datentechnologien
  • Infrastrukturen der nächsten Generation
  • Verbesserung der Sicherheit und Effizienz digitaler Technologien
  • Datenmanagement-Tools zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit
  • Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Verbindung mit Cloud-/ Edge-Technologien.

Destination 4 umfasst u. a. Themen zur angestrebten europäischen Führungsrolle im Innovationsbereich der Elektronik und Photonik. Darunter sind Themengebiete wie innovative, post-Mooresche Halbleiterprozessoren und multifunktionale, integrierte optische und elektronische Systeme; auch mit Hinblick auf klimaneutrale, „grüne“ digitale Lösungen, angewandt in einem breiten wirtschaftlichen Geltungsbereich.

Passend zum „green deal“ sollen ebenso energiesparende „ultra-low power“ Prozessoren, ein ressourcenschonendes und sicheres Kommunikationsnetzwerk (auch auf Basis von Quantentechnologien) und die Entwicklung von umweltfördernden, effizienten und sicheren Technologien im Bereich der KIs und Robotik gefördert werden.

Darüber hinaus soll unter der Initiative „Flagship on Quantum Technologies“ ein Paradigmenwechsel in den Bereichen Quantencomputer, Quantensimulatoren und Quanteninternet eingeleitet werden. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Entwicklung, Demonstration und Steuerung des ersten Quantencomputers und Quantensimulators im großen Maßstab, der Demonstration der Funktionsfähigkeit von Quantenkommunikationsnetzwerken über weite Strecken und der Förderung von aufkommenden Schlüsseltechnologien.

Diese Destination beinhaltet Thema „Weltraum“. Hier werden Forschungs- und Entwicklungsbedarfe aus dem EU Weltraumprogramm sowie auf Basis der „Strategic Research and Innovation Agenda“ angesprochen. Nach erster Planung sollen hier die folgenden „Sections“ gefördert werden:

  • Förderung der Wettbewerbsfähigkeit von Raumfahrtsystemen
  • Stärkung der Kapazität für den Zugang zum und die Nutzung des Weltraums
  • Weiterentwicklung von Weltraum- und Bodeninfrastrukturen für Galileo/EGNOS
  • Weiterentwicklung von Diensten der EU-Weltraumprogrammkomponenten Galileo, EGNOS und Copernicus
  • Entwicklung von Anwendungen unter Verwendung der Komponenten des EU-Weltraumprogramms
  • Innovative Weltraummöglichkeiten: SSA, GOVSATCOM, Quantum
  • Ökosysteme und Kompetenzen für Raumfahrt-Unternehmertum (inkl. New Space und Start-Ups)
  • Gezielte und strategische Tätigkeiten zur Unterstützung des EU-Raumfahrtsektors

Alle Sektionen sollen zur strategischen Unabhängigkeit in der Entwicklung, Anwendung und Nutzung von der globalen weltraumbasierten Infrastruktur beitragen.

In welchem Jahr welche Themen für die Förderung ausgwählt werden, ist von der EU-Kommission noch nicht entschieden worden.

Der erwartete Impact dieser Destination ist die menschen-orientierte und ethische Entwicklung digitaler und industrieller Technologien. Dabei ist der Austausch mit der Gesellschaft und die Einbeziehung von Endnutzern bei der Entwicklung neuer Technologien von großer Bedeutung.

Die rasche Einführung neuer digitaler und industrieller Technologien bietet großes Potenzial für einen höheren Lebensstandard, eine sicherere Mobilität, eine bessere Gesundheitsversorgung, neue Arbeitsplätze oder die Personalisierung öffentlicher Dienstleistungen. Gleichzeitig birgt sie aber auch Risiken wie Qualifikationsdefizite, eine digitale Kluft sowie Verletzungen der Sicherheit oder der Privatsphäre.

Eine breite gesellschaftliche Akzeptanz erfahren diese Technologien nur dann, wenn bereits im Rahmen der Innovationsförderung sowohl Chancen als auch Risiken bedacht werden.

Die Destination 6 beinhaltet voraussichtlich folgende Förderthemen:

  • Führende Rolle Europas bei künstlicher Intelligenz, basierend auf Vertrauen
  • Ein Internet basierend auf Vertrauen
  • Neue digitale Interaktionen, 3D, erweiterte und virtuelle Realität
  • Digitale Lerntechnologien, einschließlich der Qualifizierung der Belegschaft

Ein weiterer Themenblock wird sich mit Querschnittsthemen befassen.